Die Letzten 100 Tage

Heute ist kalendarischer Herbstanfang und in einem Vierteljahr steht schon Weihnachten vor der Tür.

Nun ist gerade dieses Jahr – 2020 – für mich, wie vermutlich auch für die meisten von uns, ganz und gar nicht planmäßig verlaufen. Ich hatte mir schon überlegt, das Jahr ganz verloren zu geben.

Allerdings las ich in meinem Urlaub Atomic Habits von James B. Clear (deutsch »Die 1%-Methode«). Im Prinzip geht es darum, dass auch unscheinbar wirkende Mini-Gewohnheiten zu Erfolgen führen, wenn man sie nur konsequent durchhält.

Nach meinem Urlaub begann ich das Prinzip anzuwenden, um die Corona-Pfunde wieder los zu werden (z.B. 5-Minuten-Sport) und sehe bereits Ergebnisse. Da liegt es nahe, die Methode auch beim Schreiben anzuwenden.

Noch sind 100 Tage übrig, bis das Jahr endet.

Was lässt sich in 100 Tagen machen?

Diese Zahl rückt den Zeitraum wieder in Perspektive. 100 Tage ist lange genug, um zu testen, ob diese Mini-Gewohnheiten auch beim Schreiben etwas bringen. Lange genug auch, um die Gewohnheiten zu verankern.

Jeden Tag einen Satz (Fiktion) schreiben

Ich habe bereits Ende August begonnen, täglich einen Satz an meiner aktuellen Story zu schreiben.

Der Fortschritt ist quälend langsam.

Allerdings bin ich auch an dem Punkt im Prozess, an dem ich die fehlenden Teile in der Story auffülle und das fühlt sich immer wie Zähne ziehen an. Auf diese Art kämpfe ich mich Abend für Abend, Zähnchen um Zähnchen und Satz um Satz voran. Inzwischen kann ich schon den Meilenstein sehen, wenn ich anfangen kann, nur noch die Kanten zu glätten.

Ohne diesen täglichen Akt hätte ich vermutlich die Geschichte schon beiseite gelegt, um sie erst später wieder anzufassen. Oder gar nicht mehr. Auf meiner Festplatte liegen so viele unbeendete Storys.

Ich habe mir fest vorgenommen, diesen täglichen Satz pro Tag bis zum Jahresende durch zu ziehen. Satz für Satz. Story um Story.

Mini-Blogposts schreiben

Es liegen nicht nur unfertige Storys auf meiner Festplatte, sondern auch eine Handvoll unfertiger Blog-Artikel. Ähnlich wie in meinen Geschichten stecke ich oft fest, wenn ich den Text nicht an einem Tag fertig bekomme. Außerdem ist mein Anspruch an die Artikel oft viel zu hoch. Perfektionismus lässt grüßen.

Ich habe mir die Erlaubnis gegeben, auch mal spontan [kurze Gedanken] zu posten, die ich innerhalb einer Viertelstunde niedergeschrieben habe. Das ist nicht ganz so mini und auch nicht so regelmäßig wie eine echte Gewohnheit, aber es geht mir hier um das Prinzip der niedrigen Hürde.

Ich habe mir ein paar Ideen für den Fall brainstormt, dass mir spontan nichts einfällt. Zwar mag ich mich eigentlich nicht so sehr festlegen, aber ich peile alle 2 Wochen einen Artikel mit mindestens 100 Wörter(!) an.

10-Finger-Tippen üben

Ich habe immer mal wieder den Anlauf unternommen, das 10-Finger-Tippen zu lernen. Vom Prinzip her kann ich es, wenn ich mich darauf konzentriere. Aber ich bin deutlich langsamer und mache mehr Fehler als bei meinem 6-Finger-Augen-auf-die-Tastatur-System.

Es fehlte bisher ganz klar das konsequente Üben.

Das bietet sich für so eine Mini-Gewohnheit geradezu an. Ich übe nun jeden Tag auf keybr.com. Zuhause habe ich meine Tasten vorläufig überklebt, um das Blindschreiben zu erzwingen.

Ein Projekt beenden

Nope. Nein. Kommt gar nicht in Frage.

Da hat sich wieder mal der metaphorische Elefant eingeschlichen. Aber ich weigere mich, ihn auch nur anzusehen. Alles, was ich will, ist der nächste kleine Bissen.

Ja, 100 Tage klingen viel. NaNoWriMo funktioniert ja auch in nur 30 Tagen.

Aber den Stress tue ich mir nicht an. Zu NaNoWriMo hatte ich ja schon Ende 2018 meine Entscheidung getroffen und lasse mich darauf nicht wieder ein.

Außerdem ist so ein Ziel auch ein Ja/Nein-Erfolgskriterium. Entweder schaffe ich das Projekt abzuschließen oder nicht. Statt dessen liegt der Fokus der nächsten 100 Tage auf dem kontinuierlichen Prozess.

Auf den Punkt gebracht

So sollen meine letzten 100 Tage des Jahres aussehen:

  • jeden Tag einen Satz (Fiktion) schreiben
  • alle 2 Wochen einen (Mini-)Artikel hier posten
  • täglich das 10-Finger-Tippen üben

Ich werde berichten, wie das Experiment läuft.

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