Ziele, Vorsätze oder 90-Tage-Plan?

Meine Zielsetzungen haben sich gegenüber dem vergangenen Jahr nicht grundlegend verändert und genau deswegen zerbreche ich mir schon seit Wochen den Kopf über sie.

Ich habe die letzten Jahre zwar kleine Erfolge gehabt, aber bei meinen großen Zielen gab es keine nennenswerten Fortschritte. Warum also glaube ich, dass es dieses Jahr besser wird?

»Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut, aber andere Resultate erwartet.«

(Albert Einstein zugeschrieben)

Irgendetwas muss sich ändern, entweder meine Ziele oder meine Aktionen.

Mein ideales Jahr 2019

Also fange ich mal mit dem an, was ich gerne erreichen würde:

  • Ich schreibe täglich und arbeite zwei bis drei Male pro Woche an meinen Projekten.
  • Ich stelle meine angefangenen Projekte fertig: die Flash-Fiction-Challenge, mein NaNoWriMo-Projekt von 2017, mein Dauer-WiP »Eisiger Tod«.
  • Ich reiche ein zwei oder drei Geschichten bei Ausschreibungen ein.
  • Ich veröffentliche ein erstes eBook auf Amazon

Jedes dieser Ziele macht Sinn, Nur alle zusammen sind unrealistisch, weil sie dann einfach zu viel an Zeit und Energie erfordern. Trotzdem bin ich immer wieder an ihnen oder ähnlichen Zielsetzungen gescheitert. Macht es also überhaupt Sinn, sie mir vorzunehmen?

Probleme im Schreibprozess:

  1. Schreiben steht in der Priorität hinter meiner Arbeit, meiner Familie und meiner Gesundheit. Taucht irgendein Stressthema in einem dieser Lebensbereiche ein, geht es auf Kosten des Schreibens. Ich wünschte, es wäre anders, aber es ist nun mal so.
  2. Daraus folgt, dass das Schreiben an den Arbeitstagen den miesesten Zeitslot hat, dann wenn ich bereits oder noch müde bin. Am Wochenende kämpfe ich gegen die Ablenkung und Unterbrechungen durch Haushalt und Kinder. Und verliere oft.
  3. Mein Fortschritt ist langsam und von Unterbrechungen geprägt. Dadurch verliere ich schnell das Momentum und finde mich zunehmend schwerer wieder in die Story zurück. Ich habe es bisher mit der konventionellen Trennung von Plotten, Rohfassung schreiben und Überarbeiten in verschiedene Arbeitsschritte gearbeitet, aber wenn die Zeitspanne dazwischen zu lange ist, bekomme ich zunehmend Schwierigkeiten. Ich hatte im letzten NaNoWriMo zum Schluss Plotnotizen von Oktober, mit denen ich nichts mehr anfangen konnte. Ich konnte mich einfach nicht mehr in die betreffende Story hineindenken.

Unsichere Planung

Ich brauche einen anderen Ansatz, sowohl in der Planung als auch im Schreibprozess.

Ziele sollen sowohl spezifisch als auch realistisch sein. Jene aus meiner Liste sind aber nur halbwegs spezifisch, besonders die beiden letzten sind ganz schön schwammig. Das ist wohl auch ihr Problem. Und realistisch? Wenn ich doch schon Probleme habe, mich zu spezifischen Schreibzeiten zu verpflichten?

Nennen wir die Liste da oben besser Vorsätze. Ich kann sie einfach nicht so konkret planen, dass sie zu realistischen Zielen werden. Wie mache ich daraus einen Plan mit Hand und Fuß?

Der Plan

Ich habe die Idee einer Jahresplanung aufgegeben. Dieses Jahr probiere ich eine andere Vorgehensweise aus.

Statt mich gleich dieser ganzen Liste zu verpflichten, nehme ich mir nur jeweils ein Ziel vor, das ich in einem Quartal oder 90 Tagen abarbeiten will. Nach drei Monaten werde ich prüfen, wo ich stehe und neu planen. Das sollte mir genügend Zeit geben, ein kleineres Projekt fertigzustellen, auch wenn ich reell nur die Wochenenden zum Schreiben habe. Ein solches Projekt ist überschaubar und die Fristsetzung von 13 Wochen ist nahe genug, um immer präsent zu sein.

Für die nächsten drei Monate steht die Beendigung der Flash-Fiction-Challenge an. Es gibt drei Gründe, warum ich sie gewählt habe:

  1. Ich bin noch halbwegs im Projekt drin, da die Challenge mein NaNoWriMo2018-Projekt gewesen ist.
  2. Sie liegt mir immer noch am Herzen und außerdem wartet da ein Blogartikel auf die vielen Links, mit der ich ihn schon gefüllt haben wollte.
  3. Sie besteht aus vielen kleinen Storys, die ich einzeln zum Abschluss bringen kann.

Das Letztere ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich brauche viele kleine Meilensteine als Zwischenerfolge, um meine Projekte abzuschließen und nicht schon vorher die Motivation zu verlieren.

Mir ist klar, dass dies bei einem größeren Projekt deutlich schwieriger wird. Mir schwebt vor, dass ich mich dann Szene für Szene oder Kapitel für Kapitel vorarbeiten werde. Aber das lasse ich im Moment noch auf mich zukommen.

Die Umsetzung

Manchmal glaube ich, dass mein Leben von der Todoist-App kontrolliert wird. Sie hat sich als unverzichtbar erwiesen, meinen Alltag im Griff zu behalten. Aber wenn ich auf die aktuelle To-Do-Liste schaue, drängeln sich die dringenden Aufgaben vor die mir wichtigen Tätigkeiten. Deswegen habe ich schon vor einiger Zeit mit einem Bullet Journal experimentiert. Das Ergebnis war bisher gemischt. Das lag an zwei Dingen:

  1. Ich benutzte es nicht konsequent zum Planen, sondern nur sporadisch.
  2. Ich versuchte, alle privaten Lebensbereiche im Bullet Journal abzubilden und zu verfolgen: Schreiben, Kinder, Fitness etc. Das war auf der einen Seite zu weit gefasst, so dass ich wieder das Problem der dringenden Aufgaben versus der mir persönlich wichtigen hatte. Auf der anderen Seite reichte das Journal nicht aus, alle Aufgaben im Blick zu behalten, noch dazu parallel zu meiner App. Der Aufwand, das Bujo zu pflegen, stand nicht im Verhältnis zum Nutzen.

Ich habe den Jahreswechsel dazu genutzt, ein neues Bullet Journal anzufangen. Dieses ist exklusiv dem Schreiben vorbehalten. Auf der Basis meines Quartalszieles plane ich mir jeweils ein bis zwei Aufgaben pro Woche. Monatliche und vierteljährliche Rückblicke sollen mir bei der Zielverfolgung helfen.

Produktiv und erfolgreich

Das ist mein Vorsatz für 2019 und dafür steht nun die Planung. Ich wünsche euch ebenfalls ein erfolgreiches Jahr 2019. Lasst von euch hören. Welche Ziele – fürs Schreiben oder sonst so – habt ihr euch gesetzt?