Nach einer zu langen Sommerpause

Zweite Septemberwoche. Nach einer gefühlten Ewigkeit sitze ich das erste Mal wieder vor der Tastatur, um zu schreiben. Mit einer gehörigen Portion Schuldbewusstsein schaue ich auf den Kalender. Das letzte Mal habe ich im April an meinen Geschichten gearbeitet. Ende Mai habe ich sogar mit meinen Journaleinträgen aufgehört.

Wollte ich nicht dieses Jahr regelmäßiger schreiben? Wie konnte das passieren?

April, Camp NaNoWriMo

Im Frühjahr hatte ich mich voller Enthusiasmus für das Camp NaNoWriMo angemeldet. Hatte ich doch noch eine ganze Reihe von Entwürfen zu meiner Flash-Fiction-Challenge, die ich überarbeiten und fertigstellen wollte.

Das erwies sich aber schwerer als gedacht. Vielleicht war es der zeitliche Abstand zum November, aber ich konnte mit den meisten Entwürfen nichts mehr anfangen. Manchmal fand ich einfach nicht mehr zur ursprünglichen Idee, die ich zum Prompt hatte, zurück. Viel öfter waren die Entwürfe für ein Flashfic zu weit angelegt. 

Letztendlich habe ich eine ganze Reihe dieser Entwürfe einfach gelöscht.

In anderen Fällen hatte ich auch meine Probleme mit der Prosa der Rohfassungen. Zu konfus, kein Lesefluss. Ich verstand lange nicht, was die Ursache war, denn es war sicherlich kein Plot- oder Figuren-Problem. Ich klagte sogar auf Twitter darüber.

Es dauerte tatsächlich über eine Woche, in der ich wie gegen eine Mauer rannte, bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel. In allen Fällen hatte ich die interne Szenenstruktur verletzt, also die Reihenfolge von Stimulus und Reaktion. Es war meistens subtil und letztendlich relativ einfach zu beheben, aber der Effekt war einschneidend.

Normalerweise passiert mir das nicht. Ich kann mir das nur so erklären, dass ich während des NaNoWriMo zu hastig und oberflächlich geschrieben habe, weil ich versuchte, trotz allem hohe Wortzahlen zu erreichen.

Dadurch lief die Überarbeitung schleppend und ganz ehrlich, es raubte mir die Motivation. Ich beendete nur zwei der Mini-Geschichten und postete sie auf dem Blog. Insgesamt war ich vom Camp NaNoWriMo und mir enttäuscht.

Lesung in Hannover

Immerhin fand der April einen sehr schönen Abschluss, denn am 27. April besuchte ich die erste LEOGUNA-Lesung, die von Kia Kahawa organisiert wurde.

5 Autoren aus Hannover lasen im Café Konrad zum Thema Science Fiction & Fantasy, Krimi und Entwicklungsroman.

Zum einen erwies sich das Café als besonders komfortable Location. Bei einem Getränk, Stück Kuchen oder kleinem Salat den Autoren zu lauschen, vermittelt eine ganz andere Stimmung als eine Lesung in der Buchhandlung oder Bibliothek.

Bemerkenswert fand ich auch, dass alle Autoren ihre eigene Art hatten, aus ihren Werken zu lesen.

Der eine las eine ganze Szene, die mir ein gutes Gefühl vermittelte, wie sich das Buch liest. Eine andere Methode war es, das Wie und Warum der Buchentstehung zu besprechen, vermischt mit kurzen gelesenen Passagen

Krimi-Autor Thorsten Sueße las markant und wirklich furchteinflößend aus seinem neuesten Buch. Bei den Dialogzeilen seiner geistesgestörten Charaktere sträubten sich mir die Nackenhaare. Als plötzlich im Untergeschoss ein Mann einen langgezogenen Schrei von sich gab, war ich sicherlich nicht die Einzige, die erschrocken zusammenzuckte und dachte: „Was passiert jetzt?“

Wenn alles klappt, d.h. Kia Sponsoren findet, wird es jetzt im Herbst die nächste Lesung geben. Ich bin schon gespannt.

Die lange Schreib-Pause

Tja, und dann rutschte ich in die lange Schreibpause.

Warum es mich genau erwischte, ist mir nicht so klar. Sicherlich war da die Demotivation aus dem April. Auf der Arbeit fiel mehr Projektarbeit mit Termindruck an. Vielleicht verpuffte auch so langsam der Erholungseffekt  des Weihnachtsurlaubs. 

Irgendwie erscheint es mir als Erklärung nicht ausreichend. Aber ich habe diese Absacken zum Sommer hin schon in den letzten Jahren beobachtet. Vielleicht ist es für mich ein natürlicher Rhythmus, aber ich mag das nicht so akzeptieren.

Auf jeden Fall schrieb und überarbeitete ich nicht mehr. Ich suchte abends Erholung beim Gaming. 😏 Ich machte mich auch auf Twitter rar. Ende Mai hörte ich sogar mit dem Journaling bei 4thewords auf. (Keine Ahnung, ob ich da meine Schreibkette überhaupt noch retten kann.)

Im August begann mein Urlaub, der sich dann doch als dringend nötig erwies. Ich brauchte eine ganze Woche, bis ich Lust verspürte, mir mal ein Video anzuschauen, dass sich mit dem Schreiben im weitesten Sinne beschäftigte. Eine weitere Woche verging, bevor ich mich gedanklich mit meinen  Charakteren und Plotbunnies auseinandersetzen mochte. Erst in der letzten Woche begann ich, so langsam wieder Pläne zu schmieden.

Vielleicht lässt es sich mit dem kreativen Zyklus erklären. Statt auf Biegen und Brechen das Schreiben erzwingen wollen, kann ich möglicherweise einen Weg finden mit dem Auf und Ab im Laufe des Jahres zu arbeiten. Ich wünschte nur, ich könnte es mit Sicherheit sagen.

Wie geht es weiter?

Ich habe mein Bujo reaktiviert, dass ich ebenfalls seit April sträflich vernachlässigt habe. Die nächsten 90-Tage- Ziele sind gesetzt.   

Es sind kleine Ziele, denn ich kann ein paar Erfolgserlebnisse dringend gebrauchen.

Die letzten zwei Wochen habe ich genutzt, um das Chaos in meinem Leben, insbesondere im Haushalt, aufzuarbeiten, damit es mir nicht wie Klotz am Bein hängt. Jetzt darf es – und muss – es wieder losgehen. Auf geht’s!

PS: Habt ihr Tipps und Erfahrungen für solche kreativen Tiefs?

Ich bin sicherlich nicht die einzige, die solche unfreiwilligen Auszeiten im kreativen Schaffensprozess erlebt hat. 

  • Habt ihr ähnliche Erfahrungen? 
  • Wie geht ihr damit um? 
  • Habt Ihr Tipps, wie man diese Perioden umgeht oder abkürzen kann?

Schreibt mir doch bitte einen Kommentar dazu.

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