Das erste Lektorat – Gedanken und Reaktion

Vor ein paar Wochen tweetete Margret Kindermann einen Aufruf, ihr eine Normseite Text für ein Testlektorat zur Verfügung zu stellen. Die Resonanz war groß. Nach kurzem Zögern fasste ich mir ein Herz und meldete mich ebenfalls.

Ich entschied mich, ihr eine Szene aus Eisiger Tod zu schicken. Eine Normseite entspricht ca. 1.800 Zeichen. Es war schwierig, einen Textabschnitt dieser Größe zu wählen, der in sich geschlossen ist. Wie sich herausstellte, fehlten dem Leser doch einige Informationen.

Die Hürde, Feedback zu suchen

Irgendwann kommt der Punkt, wo du deine Geschichte nicht mehr in der Schublade oder auf der Festplatte verstecken willst. Du musst sie jemanden zeigen. Zumindest die ersten Male ist das ein beklemmendes Gefühl. Werden sie meine Geschichte mögen nicht zu viele Fehler finden?

Es ist allemal besser, Feedback vor der Veröffentlichung einzuholen, als dich später zu blamieren oder sich gar nicht zu trauen, deine Geschichte zu veröffentlichen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten Feedback zu bekommen, zum Beispiel durch Testleser oder eben durch ein professionelles Lektorat.

Was ist ein Lektorat

Das Lektorat betrifft nicht (nur) Grammatik und Rechtschreibung. Der Lektor überprüft den Text auf:

    • Ausdruck und Verständlichkeit,
    • einheitlichen Stil,
    • Wortwiederholungen,
    • innere Logik,
    • ggf. Spannungsbögen und Charakterentwicklung u. ä. bei kompletten Texten

Ein kompetenter Lektor ist kritisch und ehrlich. Daher war ich aufgeregt und nervös, als mir Margret ankündigte, dass diesen Montag das Lektorat zu meiner Szene erscheinen würde.

Das Testlektorat

Margret ging den Text Absatz für Absatz durch und kommentierte ihn. Ihre Anmerkungen betrafen vor allem die Wortwahl und die Verständlichkeit. Allerdings konnte sie zunächst zwei Figuren nicht auseinander halten und hielt meine Protagonistin für einen Mann. Das sind zwei kritische Punkte.

Hier kommt ins Spiel, dass der Text nicht die Anfangsszene meiner Geschichte ist. Außerdem ist Alakhai/Alaghai (ich hab mich noch nicht auf die Schreibweise festgelegt) kein geläufiger Name. Trotzdem ist das ein Punkt, den ich im Hinterkopf behalte.

Sie kommentierte wirklich jeden Absatz und bemängelte jede Kleinigkeit, die sie fand. Nachdem ich ungefähr die Hälfte des Lektorats gelesen hatte, musste ich eine Pause einlegen und das bisher Gelesene verdauen. (Ihr merkt, ich bin solches Feedback noch nicht gewohnt.) Es ist harsch, aber der Job eines Lektors verlangt diese Gründlichkeit. Im Normalfall zahlst du als Autor für so einen Service und erwartest dafür eine vollständige Kritik.

Ihren Gesamteindruck fasste Margret dann so zusammen:

»Am häufigsten sind mir bei Ulrike die übermäßige Verwendung von Possessivpronomen und der Nominalstil aufgefallen. Ansonsten sollte sie bei jeder Wortwahl nachdenken, ob der Begriff genau aussagt, was gesagt werden soll.«

Meine Reaktion

Es ist wohl als Anfänger normal, dass du dich durch die Härte der Kritik verletzt fühlst. Danach kommt den Impuls zu protestieren und zu argumentieren. Zumindest ging es mir so.
Aber dann atmete ich tief durch und entschied, eine Nacht darüber zu schlafen. Mit ein wenig Abstand lässt sich das Feedback besser beurteilen. Letztendlich ist es die Aufgabe des Autors, klar und verständlich zu schreiben. Das Lektorat bietet dafür die Hilfestellung.

Schon nach ein paar Stunden kehrte ich wieder zu Margrets Blogpost zurück und las mir ihre Anmerkungen erheblich gelassener durch. Mein Eindruck war dann: Es ist gar nicht so schlimm. Bezüglich der Wortwahl musste ich ihr doch meistens Recht geben. Glücklicherweise kann ich diese Probleme schnell beheben, sobald sie mir erst bewusst sind. Die Kritikpunkte zu den Figuren lasse ich mir durch den Kopf gehen. Sie muss ich im Zusammenhang mit den vorherigen Szenen betrachten.

Fazit

Als Autor musst du schon auf eine ganze Menge achten. Und das Problem ist, du bist nah am Text, meistens sogar emotional mittendrin. Zu nahe, um manche Fehler zu erkennen. Aber das ist eben der Vorteil eines Lektors. Er oder sie schaut aus der Distanz des Lesers kritisch auf das Manuskript.

Ich kann nur empfehlen, jede Möglichkeit für Feedback zu nutzen, sei es durch ein professionelles Lektorat und/oder durch Testleser.

Ein Kommentar

  1. SleepyDave
    13. März 2018
    Antworten

    Ich habe auch erst letztens eine meiner Geschichte einem Lektorat unterziehen lassen, und der Weg dorthin war unglaublich schrecklich. Erst fiel es mit schwer, eine Lektorin anzuschreiben, aber dann schaute ich verzweifelt jeden Tag mehrmal meine Mails durch.
    Als ich schließlich mein erstes Kapitel zurückbekam, brauchte ich erst einmal einen Tee.
    Doch diese Kritik zu kriegen fühlte sich unglaublich gut an. Wenn man eine Geschichte nur für sich hat, ist das zwar auch schön, diese aber mit anderen teilen zu können und auch noch Feedback zu kriegen, fühlte sich tausend Mal schöner an 🙂
    (Und man lernt unglaublich viel)

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